Warum es zu spät ist, erst im Jahresgespräch Feedback zu geben

Posted by Benjamin Glemser on 05.11.2019 18:48:35

Bald ist es wieder soweit: Das Ende des Jahres 2019 rückt in großen Schritten näher und die jährlichen Mitarbeitergespräche stehen vor der Tür. Für die Beteiligten - Vorgesetzte und Mitarbeitende - bedeutet dies in der Regel eins: Stress. Denn es geht um wichtige Themen wie Beförderungen, Gehaltserhöhungen oder Bonuszahlungen. Diese wichtigen Entscheidungen wollen gut durchdacht und begründet sein.

Fragt man Führungskräfte, wozu diese das Jahresgespräch nutzen, antwortet nach wie vor eine Vielzahl, dass diese primär dazu dienen, den Mitarbeitenden Feedback zu geben. Was lief gut, was war nicht gut und wie fällt entsprechend die Bewertung aus. 

Doch dabei machen viele Vorgesetzte einen entscheidenden Fehler: Sie verkennen den unterschiedlichen Zeithorizont von Feedback und dem Jahresgespräch. 

Feedback ist immer vorwärts gerichtet.

Es geht darum, den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Orientierung zu geben. Zeigen diese ein Verhalten, welches erwartet und wünschenswert ist, dann ist positives Feedback angesagt. Entspricht das Verhalten nicht den Erwartungen, dann ist konstruktives Feedback zwingend. Und zwar zeitnah, unter dem Jahr.

Beim Jahresgespräch (Leistungsbewertung) hingegen wird der Blick nach hinten gerichtet.

Es geht nicht mehr darum, die Mitarbeitenden durch zeitnahes Feedback weiterzuentwickeln, sondern die Leistung über die letzten 12 Monate zu evaluieren. 

Konkret bedeutet das: Erhält ein Mitarbeiter erst im Dezember spezifisches und umsetzbares Feedback, wird ihm die Möglichkeit genommen, sein Verhalten und seine Leistung noch unter dem Jahr zu verändern und zu verbessern. 

Dabei hat kontinuierliches und zeitnahes Feedback noch eine andere - und vielleicht weit wichtigere - Wirkung. Feedback erhöht die Motivation in ihrem Team. 

Im Rahmen der Gallup Engagement Index - Studie wird unter anderem der Zusammenhang zwischen Feedback und Motivation analysiert. Die Ergebnisse sind eindeutig: 

  • Mitarbeitende, die keine Feedback erhielten (weder positiv noch konstruktiv) waren zu 2% (hoch) motiviert. Dies lässt nur einen Schluss zu. Kein Feedback bedeutet Gleichgültigkeit. Zumindest wird es so von den Mitarbeitenden aufgefasst.
  • Mitarbeitende, die nur negatives / konstruktives Feedback erhielten, waren zu 45% (hoch) motiviert. 
  • Mitarbeitende, die sowohl positiv und konstruktives Feedback erhielten, waren zu 61% (hoch) motiviert. 

Was kann man daraus schließen? Mitarbeitende wollen wissen, wo sie stehen:

  • Entspricht meine Arbeit den Erwartungen?
  • Was kann ich noch besser machen?
  • Und wie wird meine Entwicklung von außen wahrgenommen? 

Gute Führungskräfte machen Mitarbeiterentwicklung durch kontinuierliches Feedback zu einem ständigen Thema. Damit erhöhen sie nicht nur die Motivation, sondern auch die Leistungsfähigkeit ihres Teams respektive ihrer Abteilung.

In diesem Sinne rege ich Sie an, Feedback zu einer wiederkehrenden Priorität zu machen und nicht zu einer jährlichen Formalie. 

Diese Beiträge können Sie ebenfalls interessieren …

Den richtigen Impakt direkt in Ihrer Inbox. Melden Sie sich zu den impakt360 Insights an.