3 Fehler, die Sie beim Wechsel zu einer agilen Organisation vermeiden sollten!

Posted by Ben on 06.08.2019 10:15:25

Agilität ist ein Begriff, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Doch wie bei jedem Buzzword wissen die wenigsten, was sich wirklich hinter Agilen Teams, Scrum Master, Product Owner oder Scaled Agile Framework verbirgt.

Die Grundidee ist einleuchtend: Firmen müssen auf die immer größer werdenden Ansprüche ihrer Kunden hinsichtlich Schnelligkeit und Innovation reagieren. Das Einführen agiler Methoden in der Organisation verspricht genau das. Doch liegen auch hier - wie bei vielen Dingen - die Tücken im Detail.

Fehler 1: Agilität benötigt Stabilität

Führungskräfte und Mitarbeiter unterliegen oft der Fehleinschätzung, dass Stabilität und Agilität diametrale Gegensätze sind.1 Man hört Aussagen wie: “Jetzt haben wir keinen Chef mehr” oder “Jeder ist für alles zuständig”. Solche Aussagen sind ein erstes Indiz, dass nicht verstanden wurde, was agile Arbeitsstrukturen auszeichnet und welcher Voraussetzungen diese bedürfen.

Aus impakt360 Sicht sollten Unternehmen auf 3 Dimensionen für Stabilität sorgen:

  1. Aufbaustruktur (Wie werden Ressourcen verteilt?)
  2. Governance (Wie werden Entscheidungen getroffen?)
  3. Leistungsbewertungsprozess (Wie wird Leistung bewertet und über Beförderungen bestimmt?)

Erst wenn diese Grundpfeiler feststehen, können agile Strukturen ihre Kraft entfalten. Fehlen diese Grundpfeiler, herrscht schnell Chaos und der Widerstand gegen agile Strukturen wächst.2

Fehler 2: Nicht jede Funktion ist gleichermaßen geeignet

Agilität kommt aus der Software-Entwicklung und ist eine Methode, die primär für Projektarbeit und Produktentwicklungen geeignet ist. Also immer dann, wenn mehrere Abteilungen und Funktionen übergreifend miteinander arbeiten müssen. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass die positiven Effekte für Arbeiten, welche exklusiv in einer Abteilung stattfinden, limitiert sind.

Natürlich können auch in Vertriebsabteilungen, Finanzabteilungen oder der HR Abteilung Geschwindigkeits- und Innovationssteigerungen erzielt werden, jedoch werden diese in der Regel in einem geringeren Umfang ausfallen.

Aus impakt360 Sicht sind dies die wichtigsten Erfolgsfaktoren agiler Arbeitsmethoden:

  1. Transparenz: Fortschritt und Hindernisse werden regelmäßig besprochen und sind für alle sichtbar
  2. Kontinuierliches Überprüfen: Ergebnisse und Funktionalitäten werden regelmäßig abgeliefert und evaluiert
  3. Iteratives Arbeiten: Anforderungen an die Arbeit sowie das Vorgehen werden nicht ein für alle Mal festgelegt, sondern kontinuierlich angepasst. Ein schnelles Reagieren auf sich verändernde Marktanforderungen ist gegeben.

Um gerade in den Abteilungen mit “reduziertem” Agilitätspotential keine übertriebene Erwartungen zu wecken, ist ein gutes Erwartungs-Management seitens der Führungsebene erforderlich.

Fehler 3: Zu viel zu schnell

Wie bei jedem Veränderungsprozess (Change Prozess) besteht die ganz große Gefahr darin, die Organisation zu überfordern. Nicht richtig vorbereitete Implementierungsschritte führen erst zu Verwirrung, dann zu Frust und schließlich zu hartem Widerstand.

impakt360 empfiehlt deshalb folgendes Vorgehen bei der Einführung agiler Prozesse:

  • Schritt 1: Schreiben Sie eine erste Erfolgsstory - Starten Sie mit der Abteilung oder den Mitarbeitern, welche bereichsübergreifend arbeiten. Dies sind in der Regel Software Teams, Produktentwicklungs- oder Projektteams. Kreieren Sie für diese ein erstes Prestige-Projekt und entwickeln Sie eine Erfolgsstory, dank welcher die Vorteile anhand eines ganz konkreten firmeninternen Beispiels in die Organisation kommuniziert werden können.
  • Schritt 2: Nutzen Sie Change Agenten: Nachdem das erste Prestige-Projekt ein Erfolg war, bilden Sie je nach Unternehmensgröße 3-10 Mitarbeiter zu internen Change Agenten weiter. Deren Aufgabe besteht darin, die gewonnen Lerneffekte zu sichern und bei jeder weiteren Implementierungswelle den betroffenen Personen mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen.
  • Schritt 3: Betrachten Sie Agilität nie isoliert: Nun geschieht der firmenweite Roll-Out und die alte Organisation wird in mehreren Implementierungswellen - nicht weniger als 3 und nicht mehr als 6 - zur agilen Organisation transformiert. Rechnen Sie damit, dass eine solche Transformation mindestens 24 Monate dauert. In dieser Zeit verändert sich viel, nicht zuletzt Ihre Unternehmenskultur. Stellen Sie also frühzeitig sicher, dass Sie aktiv über Veränderungen der Unternehmenskultur sprechen und diese entsprechend in Ihrem Leitbild anpassen.

 

1 Aghina, De Smet, Weerda: “Agility: It rhymes with stability”, McKinsey Quarterly, December 2015

2 Rita Gunther McGrath: “How the Growth Outliers Do It”, Harvard Business Review, Januar / Februar 2012

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